Religiöse Kleindenkmäler in Niederösterreich und Wien

Religiöse Kleindenkmäler umgangssprachlich auch "Marterl" genannt haben mich schon immer fasziniert.  Im Jahre 2016 erhielt ich die Möglichkeit an einem Ausbildungslehrgang zum "Zertifizierten Kleindenkmalexperten", durchgeführt vom BHW NÖ, teilzunehmen.

Zur Erlangung des Zertifikats musste der Lehrgang und eine Exkursion besucht werden. Außerdem sollte jeder Teilnehmer im Rahmen einer schriftlichen Abschlussarbeit eine (fiktive) Marterlwanderung gestalten und das Ergebnis präsentieren.

Hier zeige ich einige Religiöse Kleindenkmäler aus den Ortschaften Unserfrau, Altweitra, Ulrichs, Weitra, Gabrielental bei Weitra, Tiefenbach bei Weitra, Wetzles, Brühl, Schagges, Unterlembach, Oberlembach, Hirschenwies, Eichberg, Dietmanns und Gmünd sowie vom Nebelstein und Mandelstein.


Religiöse Kleindenkmäler in Unserfrau


Schiefes Marterl

Dieser gemauerte Kapellenbildstock steht auf der Straße L8210 von Unserfrau nach Schagges, in der Nähe des Schaggesbaches. Er hat einen rechteckigen Grundriss. Der geschweifte Giebel überragt das mit Ziegeln gedeckte Satteldach.  Im Volksmund wird dieser Bildstock "Schiefes Marterl" genannt, da das gesamte Bauwerk inklusive dem altarartigem Unterbau und die Bodenplatte nach links geneigt ist. Der vermutlich nachträglich eingebaute Türstock ist lot- und waagrecht ausgerichtet. Innen- und Außenwände sowie der Altartisch sind weiß gefärbt. 

An der Außenwand steht oberhalb des Torbogens der Schriftzug "Gegrüßet seist Du Maria" in hellblauer Farbe. Der Innenbereich und Teile der Decke sind ebenfalls hellblau verziert. Im Inneren befinden sich Heiligenfigur in Form der Mutter Gottes. Für die Marienstatue wurde nach einem alten Foto der Originalstatue ein neuer Sockel angefertigt. Neben der Heiligenfigur befinden sich zwei Kerzenleuchter, vier Heiligenbilder und einem Kruzifix, ein besticktes Altartuch sowie eine Gebetsbank. Diese originale Heiligenfigur wurde nach einem Einbruchsversuch durch ein Duplikat ersetzt.

Das schiefe Marterl wurde 1903 von Hr. F. Hobinger aus Dankbarkeit errichtet. Folgendes ist überliefert: Während eines schweren Gewitters fing das Nachbarhaus (Nr. 7) von Franz Hobiger Feuer. Die beiden Stroh gedeckten Häusern standen eng aneinander – nur durch eine Regenrinne getrennt. Als die Flammen überzugreifen drohten, begann es plötzlich stark zu regnen. Der Brand erlosch und verschonte die Liegenschaft. 

Literaturangaben: Gemeindebrief Unserfrau-Altweitra, Folge 96, Dezember 2014; Gemeindebrief Unserfrau-Altweitra, Folge 94, April 2014; Informationstafel am Objekt


Flurkreuz 1907

Dieses Flurkreuz steht in einer Wiese an der L 8210 in Richtung Schagges nur unweit vom Schiefen Marterl entfernt. Es handelt sich um ein gusseiserne Kreuz auf einen hohen, sich nach oben verschmälernden Sockel aus Granit. Der Sockel hat eine rechteckige Grundfläche. Die im Querschnitt rechteckige Steinsäule hat einen quaderförmigen Fußblock, wird nach oben hin immer schmäler und endet mit einer Kragenplatte. An der Vorderseite des Sockels befinden sich eine Jahreszahl  1907 sowie zwei Buchstaben, die jedoch nicht mehr lesbar sind.

Das Halbrelief der Marienfigur (braunes Haar, weißes Gewand und Gold gefärbter Mantel) mit gekreuzten Armen ist an einer schwarzen Blechtafel mit Blumenornamenten fixiert und schließt direkt an die Kragenplatte des Sockels an. Oberhalb der Marienfigur ist eine ovale, gusseiserne, schwarz gefärbte Inschrift-Tafel mit Blumendekor am Rand. Der Corpus Christi ist ein Gusskörper, bunt bemalt und befindet sich oberhalb der Inschrift-Tafel. Der Corpus Christ ist teilweise mit Moos bzw. Flechten bewachsen. Auf dieser Tafel wurde „Gelobt sei Jesus Christus" in weißer Farbe geschrieben. Über dem Corpus Christi sind die Buchstaben „INRI", mit weißer Farbe übermalt. Die Enden des Kreuzes sind reichlich mit Blumendekor verziert.


Keuzweg im Pfarrwald

Der Pfarrwald befindet sich unweit der L8210 nahe eines privaten Fischteiches. Auf diesem Areal wurde ein Kreuzweg mit 14 Stationen von Pfarrer GR MMag. Dr. Tadeusz Mironczuk sowie zahlreichen freiwilligen Helfern, welche die alten Kreuze liebevoll restaurierten, errichtet.

Kreuzweg Station 1

Das gusseiserne Kreuz mit Blumenverzierungen ist auf einem quaderförmigen Granitsockel mit deutlich abgesetzter Kragenplatte montiert. Am oberen Kreuzstamm befindet sich der silberfarbene Corpus Christi mit Strahlenkranz sowie die INRI Buchstaben am oberen Kreuzstammende. Unterhalb der Corpus ist eine runde schwarze Inschrifttafel, umrandet mit Blattdekor sowie der Beschriftung der Station Nr. I, montiert. An der Kreuzstammbasis befindet sich die Firgurengruppe "Drei Weinende Frauen", darunter knien zwei betende Engel.

Kreuzweg Station 2

Das gußeiserne Kreuz der 2. Station ist durchbrochen und mit Blumendekor verziert. Corpus Christi, Kreuzstammenden, Strahlenkranz, INRI-Tafel und Blumendekor sind silberfarben. Die Inschrifttafel ist rechteckig geschwungen, war urspr. schwarz gefärbt und ist stark vermoost. Die Kreuzstammbasis wird von 2 Säulen verziert. Montiert ist das Kreuz an einem kurzen quaderförmigen Granitsockel

Kreuzweg Station 3

Dieses gußeiserne Kreuz steht inmitten von Gestrüpp. Der Kreuzstamm ist durchbrochen, die Kreuzstammenden sind mit Blumendekor verziert. Unterhalb der runden Inschrifttafel mit Nr. III ist ein silberfarbener Engel montiert. Das Kreuz ist an einem stark vermoosten, kurzen, pyramidenförmigen Granitsockel mit abgesetzter Kragenplatte montiert.

Kreuzweg Station 4

Ein einfaches gußeisernes Kreuz mit durchbrochenem Kreuzstamm und kleinem Corpus Christi ist auf einem quaderförmigen Granitsockel montiert.

Kreuzweg Station 5

Der Kreuzstamm sowie die Kreuzstammenden sind durchbrochen und reichlich mit Blumendekor verziert, gehalten in Schwarz und Silberfarben. Die runde Inschrifttafel ist mit Nr. V beschriftet und am Rande mit Blumendekor verziert. Die Kreuzstammbasis ist reich mit geschwungenen Blumen verziert und enthält die Figur "Maria mit gekreuzten Armen". Montiert ist das Kreuz an einem quaderförmigen Granitsockel

Kreuzweg Station 6

Das einfache gußeiserne Kreuz ist an den Kreuzstammenden reichlich verziert. An der Kreuzstammbasis befindet sich eine Engelsfigur.

Kreuzweg Station 7

Das gußeiserne Kreuz der ist einfach in Schwarz gehalten, nur der Corpus Christi ist Silberfarben. Die rechteckige Inschrifttafel ist mit Nr. VII beschriftet. An der Kreuzstammbasis befindet sich eine kleine Engelsfigur. Montiert ist das Kreuz auf einem kurzen Granitsockel mit abgesetzter Kragenplatte.

Kreuzweg Station 8

Durchbrochenes gußeisernes Kreuz mit wenig Blumendekor am Kreuzstamm. Corpus Christi silberfarben, runde verzierte Inschrifttafel mit Nr. VIII beschriftet. An der Kreuzstammbasis befinden sich schwarze Säulen. Montiert ist das Kreuz auf einen stark vermoosten kurzen Granitsockel.

Kreuzweg Station 9

Auffallend bei diesem gußeisernen Kreuz ist die große rechteckige Inschrifttafel, beschriftet mit Nr. IX. An der Kreuzstammbasis ist ein knieender und betender Engel befestigt. Das Kreuz ist auf einem kurzen Granitsockel mit abgesetzter Kragenplatte montiert.

Kreuzweg Station 10

Das gußeiserne Kreuz enthält keinen Copus Christi, an seiner Stelle ist ein "Kreuz" ev. Strahlenkranz montiert. Die Inschrifttafel ist rechteckig beschriftet mit Nr. X.

Kreuzweg Station 11

Gußeisernes Kreuz mit runden Durchbrechungen. Anstelle des Corpus Christi ist eine weibliche Figur mit Zepter? in der Hand montiert. Die rechteckig geschwungene Inschrifttafel ist mit Nr. XI beschriftet.

Kreuzweg Station 12

Das schlanke hohe gußeiserne Kreuz ist recht einfach gestaltet und nur wenig verziert. Die runde Inschrifttafel mit Nr. XII ist an der Kreuzstammbasis montiert. Der Granitsockel ist äußerst kurz.

Kreuzweg Station 13

Durchbrochenes gußeisernes Kreuz mit Blumendekor und sehr kleinem vermoosten Corpus Christi. Große oval mit Blattdekor verzierte Inschrifttafel, beschriftet mit Nr. XIII.

Kreuzweg Station 14

Die 14. Station besteht aus insgesamt 3 Kreuzen, in der Mitte das Hauptkreuz. Alle Kreuze sind gußeisern. Das mittlere Kreuz steht auf einer Anhäufung von Granitsteinen (vermoost), die beiden schlichten durchbrochenen Nebenkreuze sind in der Erde fixiert. Das Hauptkreuz ist reichlich mit Blumendekor verziert und durchbrochen. Es hat eine große runde Inschrifttafel mit der Nr. XIV. An der Kreuzstammbasis befindet sich die Figur "Fides" - weibliche Figur mit Kelchin der einen, Kreuz in der anderen Hand - welche den "Glauben" darstellt.


Friedhofskreuz 2012

Auf dem Friedhof von Unserfrau befindet sich, gleich neben dem Pfarrhof, ein neu errichteter Friedhofsteil mit Urnengräbern. Zwischen diesen wandgebundenen Urnengräbern steht auf einem rechteckigen Sockel aus Natursteinen ein hohes Kreuz aus dunklem Granit und goldfarbenen Corpus Christi mit INRI-Tafel. An der Kreuzstammbasis ist eine rechteckige Granittafel mit der Inschrift " Kreuz Gewidmet von Prälat Johannes Oppolzer 2012" befestigt. Das Kreuz wurde von der Firma Johann Winkler Steinmetzbetrieb aus Klein Eibenstein bei Gmünd erschaffen.


Friedhofskreuz 1884

Auf dem Friedhof von Unserfrau steht unmittelbar bei der Kirche ein hohes Friedhofskreuz, datiert 1884. 

Der Corpus Christi ist goldfarben bemalt. Im kurzen Sockel ist folgende Inschrift zu lesen: "Selig sind die im Herrn entschlafenen. Offb. 14.13". Die Jahreszahl 1884 ist am Fuße des Granitsockels eingraviert.


Flurkreuz an der Lainsitz

Auf dem Waldweg (parallel zu den Gleisen der Schmalspurbahn und Lainsitz von Unserfrau nach Eichberg steht dieses Flurkreuz.  Auf einem kurzen sich nach oben verschmälernden Granitsockel mit leicht überstehender Kragenplatte ist das gusseiserne Kreuz montiert. Der goldfarbene Ramen der Inschrifttafel ist reichlich verziert, auf der Tafel steht "Gelobt sei Jesus Christus". Der bronzefarbene Corpus Christi ist von einem goldenen Strahlenkranz umgeben.  Die Kreuzenden sind mit goldfarbenen Blumenornamenten verziert, ebenso der untere und obere Kreuzstamm. Jahreszahlen und sonstige Hinweise sind nicht vorhanden.


Höfenstock Kapelle

Diese Kapelle steht auf der Böschung des Augerges, an einem Waldweg (von Altweitra nach Eichberg führend), nahe den Gleisen der Schmalspurbahn und der Lainsitz. Gebaut ist sie aus Bruchsteinen (Granit). Oberhalb des runden Torbogens befindet sich ein Rundbogenfenster. Der Dreiecksgiebel überragt das mit Ziegeln gedeckte Dach. An der Dachspitze ist ein steinernes Kreuz angebracht. Im Inneren der Kapelle ist eine Marienstatute ca. 1m hoch. Errichtet im Jahre 1948 von Frau Maria Höfenstock (geb. Hackl) Gmünd. Grund dr Errichtung ist mir nicht bekannt.


Bildbaum bei der Höfenstock Kapelle

Gleich neben der Höfenstock-Kapelle ist dieser Bildbaum mit Katsenkreuz und Laterne. An der Stelle wo sich das Kastenkreuz am Baum befindet, war früher ein altes Holzkreuz montiert, das aber leider gestohlen wurde.Das Kreuz wurde von der Familie Wagner 2017 renoviert. 


Gedenkkreuz Rausch

Dieses gusseiserne Gedenkkreuz steht auf einer Böschung an der Straße von Unserfrau nach Unterlembach. Auf einem schmalen quaderförmigen Sockel steht ein sich nach oben verschmälender Granitblockl. Der Fußblock ist rechteckig. Auf der schmalen Kragenplatte ist das Kreuz fixiert.  Im Unteren Kreuzstamm steht eine silberfarben bemalte Figur "Fides"mit Kelch in der rechten Hand und Kreuz in der linken Hand.  Bei dieser weiblichen stehenden Gestalt handelt es sich um die allegorische Darstellung des Glaubens (fides).  Darüber befindet sich eine große ovale Inschrifttafel mit silberfarbenen Blumenornamenten am Rand. Im oberen Kreuzstamm ist der silberfarbene Corpus Christi montiert, darüber INRI aufgemalt. Der Strahlenkranz befindet sich in den Kreuzstammüberschneidungen.

Die Inschrifttafel hat folgenden Text: "R.i.p. Georg Rausch v: 22.10.1889" und der Spruch: "Der Körper stirbt nach kurzer Zeit, die Seele bleibt in Ewigkeit!"

Aufgestellt wurde dieses Kreuz zum Gedenken an Herrn Georg Rausch aus Schagges Nr. 26, der am 22.10.1889, beim Aufladen von Langholz tödlich verunglückte. Er starb an einem Schädelbruch und war sofort tot. Die Beerdigung erfolgte am 24.10.1889.


Bildstock auf dem Unserfrauberg

An der Straße von Unserfrau in Richtung Unterlembach, nahe des Herrschaftsteiches steht auf einer Böschung dieser geweißte Bildstock mit rechteckigen Grundriss. Der hohe Schaft ist etwas breiter als der anschließende Aufsatz, der mit einem ziegelgedeckten Satteldach abschließt. An der Vorderseite des Aufsatzes befindet sich eine kleine rechteckige Nische, die durch ein Glasfenster mit Holzrahmen verschlossen ist. Im Inneren der Nische ist eine Marienfigur, ca. 25 cm hoch. Jahreszahlen und Hinweise zur Errichtung nicht bekannt.